Home Finanzwissen Börse Handel mit Optionsscheinen

Handel mit Optionsscheinen


Mit einer Option erwirbt sich der Käufer gegen die sofortige Bezahlung


des Optionspreises das Recht, entweder jederzeit während der Laufzeit (amerikanische Option) oder am Verfallstag (europäische Option) eine bestimmte Menge des zugrunde liegenden Basiswertes zu einem im Voraus bestimmten Preis zu kaufen (Call- bzw. Kaufsoption) oder zu verkaufen (Put- bzw. Verkaufsoption).

Der Verkäufer einer Option verpflichtet sich dagegen, im Falle einer Ausübung, die entsprechenden Basiswerte zum vereinbarten Preis (Ausübungspreis) zu liefern (Call-Option) oder zu übernehmen (Put-Option). Anstelle der physischen Lieferung kann, je nach Kontraktspezifikation, auch ein bloßer Barausgleich erfolgen.

 

Knock-Out-Optionsscheine

Knock-Out-Optionsscheine verfallen im Gegensatz zu klassischen Optionsscheinen wertlos, sobald der Basispreis des zugrunde liegenden Wertpapiers oder Index erreicht wird. Kaufen Sie sich einen DAX-Call mit Knockout bei 5.000 Punkten und der DAX erreicht diese Marke, ist Ihr Geld weg.

Vorteil: Klassische Einflussfaktoren wie Zeitwert, Volatilität etc. sind vernachlässigbar und der Kursverlauf des Scheins lässt sich auch von Laien leicht berechnen. Die Hebel sind einfach nachvollziehbar.

Nachteil: Das Risiko eines Totalverlustes ist relativ hoch, da das Erreichen des Basispreises den Optionsschein tatsächlich ausknockt, also wertlos macht. Das Produkt ist nur für Anleger sinnvoll, die sich des Risikos bewusst sind, die die Börsenentwicklung ständig verfolgen können und ein striktes Stopp-Loss-Management betreiben.

Bezeichnungen für Knock-out-Optionsscheine sind von Emittent zu Emittent unterschiedlich: zum Beispiel Turbo, Long, Bull, Short oder Bear.

Einfach ausgedrückt: Kaufen Sie sich einen DAX-Call mit Knockout bei 5.000 Punkten und der DAX erreicht diese Marke, ist Ihr Geld weg. Das Gleiche gibt es auch mit Aktien, Rohstoffen, Währungen und eben Indizes. Es ist wie bei CFDs auch, entweder Sie setzen auf steigende oder auf fallende Kurse. Auch bei Optionsscheinen gilt: berufstätige Anleger sollten meines Erachtens die Finger davon lassen.

Optionsscheine sind hoch entwickelte Anlageinstrumente. In der Hand des Könners bieten sie außergewöhnliche Chancen. Gewinne von mehreren 100 Prozent sind bei richtiger Markteinschätzung und mit dem bisschen Glück, das auch ein Profi braucht, durchaus möglich.

Auf der anderen Seite kann das eingesetzte Kapital aber auch schnell vollständig verloren sein, wenn sich der Markt nicht in die erwartete Richtung entwickelt.

Der Optionsscheinhandel ist daher wirklich nur für erfahren Anleger geeignet. Eine bewährte Methode, um erste Erfahrungen zu sammeln, ist ein „Trockentraining“ zu machen. Eröffnen Sie ein fiktives Depot und kaufen sich einige Optionsscheine in dieses Depot hinein. Beginnen Sie am besten mit einfacheren Papieren wie Aktien- oder Indexoptionsscheinen. Verfolgen Sie laufend die Kurse, treffen Sie Kauf- und Verkaufsentscheidungen und beurteilen Sie das Ergebnis. Bedenken Sie, dass man nicht immer Erfolg hat – auch Profis nicht. Auf ein erfolgreiches Engagement können schnell Verlustgeschäfte folgen. Eine richtige Anlagestrategie zeichnet sich dadurch aus, dass die Summe der Gewinne größer ist als die der Verluste. Der Gegenstand, auf den sich der Optionsschein bezieht – der Basiswert oder das Underlying – ist genau bezeichnet: Es kann sich um eine Aktie, einen Index, eine Währung (zum Beispiel US-Dollar), ein Edelmetall, einen Rohstoff oder andere Werte handeln. Grundsätzlich kann auf alles, was man kaufen oder verkaufen kann, eine Option abgeschlossen werden.

Optionen zählen wegen ihrer Abhängigkeit von einem bestimmten Basiswert zu den „Derivativen“, also abgeleiteten Finanzinstrumenten. Ihr eigener Wert wird maßgeblich vom Basiswert und seiner Kursveränderung bestimmt. Der Preis, zu dem der mögliche Kauf oder Verkauf abgeschlossen wird, ist genau festgelegt. Er heißt Basispreis.

Ebenso ist der Termin festgelegt, bis zu dem das vereinbarte Recht zum Kauf oder Verkauf ausgeübt werden kann. Dabei wird unterschieden zwischen dem „amerikanischen“ Typ, bei dem das Optionsrecht jederzeit während der Laufzeit ausgeübt werden kann, und dem „europäischen“ Typ, bei dem die Ausübung nur am Schlusstag möglich ist. Die Optionsscheine können aber, unabhängig von ihrem Typ, über die ganze Laufzeit hinweg gekauft oder verkauft werden.

 

Auszahlungsmodalitäten

Bei der Ausübung des Optionsrechts wird zwischen der tatsächlichen Lieferung des Basiswertes („Physical Delivery“) und der Auszahlung des positiven Differenzbetrages (die Differenz zwischen vereinbartem Preis und aktuellem Marktwert des Basiswertes) zugunsten des Ausübenden unterschieden („Cash-Delivery“ oder „Cash-Settlement“).

Ist der Differenzbetrag für den Ausübenden negativ, verfällt der Optionsschein wertlos. Da die Abwicklung beim „Cash-Settlement“ wesentlich einfacher ist, wird diese Variante heute im Allgemeinen bevorzugt.

In der Regel werden die Optionsscheine nicht ausgeübt. Meist ist es sinnvoller, sie vor Ende der Laufzeit (Verfall) zu verkaufen, entweder um Gewinne zu realisieren oder um Verluste zu begrenzen. Denn bei Ausübung kann der Scheininhaber nur den sogenannten inneren Wert realisieren.

 

Das Bezugsverhältnis

Wichtig für die Beurteilung von Optionsscheinen ist das Bezugsverhältnis. Bei Aktien gibt das Verhältnis an, wie viele Optionsscheine erforderlich sind, um eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen.

Bei Zinsen und Währungen drückt das Bezugsverhältnis dagegen aus, auf welchen Nominalbetrag des Basiswertes sich ein Optionsschein bezieht.

Ein Bezugsverhältnis von 1: 100 besagt also, dass entweder 100 Aktienoptionsscheine für den Kauf einer Aktie notwendig sind, oder dass sich ein US-Dollar-Optionsschein auf 100 US-Dollar bezieht. Auch andere Bezugsverhältnisse sind möglich.

 

Kauf- und Verkaufsoption

Der Optionsscheinhandel gerät in Bewegung, wenn mit einer Preisveränderung des Basiswertes zu rechnen ist. Wer zum Beispiel erwartet, dass der Börsenkurs einer Aktie steigt, kann sich in der klassischen Form mit einer Kaufoption („Call“) das Recht sichern, diese Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu einem festgelegten Preis zu erwerben.

Wie bereits erwähnt, wird heute die Cash-Delivery-Variante bevorzugt. Ein durch Ausübung erzielter Gewinn liegt dann vor, wenn hierdurch ein „innerer Wert“ realisiert wird und dieser über dem Kaufpreis des Optionsscheines liegt.

Außerdem ist es in der Regel nicht empfehlenswert, einen Gewinn während der Laufzeit durch Ausübung zu erzielen, sondern durch einen Verkauf der Scheine.

Umgekehrt kann jemand, der in einem Marktsegment, zum Beispiel dem DAX, mit sinkenden Aktienkursen rechnet, durch den Kauf von entsprechenden DAX-Put-Optionsscheinen, also Verkaufsoptionen, auf diese Marktmeinung setzen.

 

Delta

Das Delta drückt die absolute Veränderung des theoretischen Werts eines Optionsscheins aus, die sich in Abhängigkeit einer Kursveränderung des Basiswerts um eine Einheit ergibt.

Die Multiplikation der Kennzahl Delta mit der Kursveränderung des Basiswerts – unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses – ergibt somit die theoretische Kursveränderung des Optionsscheins.

Je tiefer ein Optionsschein im Geld ist, desto höher ist sein Delta, beziehungsweise je weiter ein Optionsschein „aus dem Geld“ ist, desto stärker nähert sich das Delta null an. Call-Optionsscheine weisen immer ein Delta zwischen Null und Eins auf, während das Delta für Put-Optionsscheine Werte zwischen minus Eins und Null annehmen kann. Das liegt daran, dass der Wert des Optionsscheins zunimmt, wenn der Kurs des Basiswerts sinkt und umgekehrt.

 

Omega

In der Theorie gibt der Hebel an, um wie viel Mal mehr der Optionsschein steigt oder fällt, wenn der Basiswert (etwa eine Aktie) um ein Prozent steigt oder fällt. Dies gilt gerade bei Optionsscheinen, die „tief im Geld" liegen. Im Gegensatz zum Hebel, der eine gleich starke absolute Kurveränderung von Optionsschein und Basiswert unterstellt, misst Omega durch die Berücksichtigung der Kennziffer Delta die tatsächliche Hebelleistung des Optionsscheins. Insbesondere bei Optionsscheinen, die weit aus dem Geld notieren – also bei Calls deren Aktienkurs weit über dem Kurs des Basiswerts liegt – können so Fehlbewertungen, die bei einer Fokussierung auf den Hebel entstehen, vermieden werden.

 

Vega

Das Vega ist die Kennzahl, die den Einfluss von Schwankungen der impliziten Volatilität auf den Optionsscheinkurs angibt. Das Vega gibt an, in welchem Maß sich der Kurs des Scheins verändert, wenn die implizite Volatilität um einen Prozentpunkt steigt oder fällt.

Ein Vega von 0,30 besagt: Wenn sich die Volatilität des Basiswertes um 1 Prozent verändert, dann steigt oder fällt der Wert des Optionsrechts um 0,30 Währungseinheiten, bereinigt um das Bezugsverhältnis. Bei einem Warrant mit einem Preis von 0,50 Euro und einem Bezugsverhältnis von 1 zu 10 bedeutet also ein Anstieg der impliziten Volatilität um ein Prozent, einen Anstieg von drei Cent im Optionsschein auf 0,53 Euro. Das Vega hat immer einen positiven Wert und ist für Call- und Put-Optionsscheine identisch.

 

Theta

Optionsscheine unterliegen einem Zeitwertverlust. Mit der Kennzahl Theta wird der Einfluss der Änderung der Restlaufzeit auf den Optionsscheinpreis beschrieben. Sie drückt somit die Veränderung des Optionsscheinpreises aus, wenn sich die Restlaufzeit um einen Tag ändert.

Angegeben wird das Theta, das immer ein negatives Vorzeichen hat, entweder als tägliche oder wöchentliche Kennzahl.

Bei Optionsscheinen, die „tief im Geld“ liegen, ist das Theta gering. Der Grund: Diese Optionsscheine weisen einen hohen inneren Wert auf, die Zeitwertkomponente ist gering.

Wie bei Optionsscheinen, die „aus dem Geld“ notieren, nimmt der Zeitwert hier eher linear ab. Am höchsten ist das Theta bei Optionsscheinen, die „am Geld“ notieren. Hier ist der Zeitwertverfall enorm, besonders gegen Laufzeitende.

Daher gilt für diese Scheine folgende Faustregel: Die Laufzeit des ausgewählten Optionsscheins sollte um drei Monate länger gewählt werden, als die Zeitspanne, in der der Anleger eine Kursbewegung im Basiswert erwartet.

 

Absicherung des Depots!

Die Hebelwirkung der Optionsscheine ist für den Anleger nicht nur aus spekulativen Gründen interessant: Durch den Kauf von Put-Optionsscheinen kann er sein Wertpapierdepot auch wirksam gegen fallende Kurse absichern. Das eingesetzte Kapital für den Kauf der notwendigen Optionsscheine ist dann sozusagen die Versicherungsprämie des Depots.

Mit einer solchen Defensivstrategie lassen sich Kursgewinne festschreiben sowie Transaktionskosten und mögliche Steuernachteile vermeiden.

Der Gewinnspielraum bei zukünftigen Kurssteigerungen bleibt dabei voll erhalten.

 

Der Hebel

Kaum ein anderes Merkmal wird so spontan mit Optionsscheinen in Verbindung gebracht, wie der Hebel. Ein Symbol, das allerdings nur eine Seite des Optionsscheins treffend charakterisiert, dass man, ähnlich wie bei der Hebelwirkung, schon mit verhältnismäßig kleinem Kapitaleinsatz überproportionale Gewinne erzielen kann.

Als Kennzahl für die Bewertung eines Scheins ist der Hebel jedoch kaum geeignet. Dennoch hat sich der Begriff Hebel etabliert, und zwar in zwei sehr unterschiedlichen Definitionen. Man unterscheidet zwischen dem einfachen Hebel (im Englischen „Gearing“) und dem so genannten theoretischen Hebel („Leverage“). Der einfache Hebel bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Kapital, das für den Kauf eines Basiswertes erforderlich ist, und dem Kapital, das für den Kauf des Optionsscheins aufgewendet werden muss. Mathematisch gesehen, ist er der Quotient aus dem Kurs des Underlyings oder Basiswertes und dem Wert der Option - unter Berücksichtigung des Optionsverhältnisses.

Anders ist es beim Leverage, bei dem der Gearing mit der dynamischen Kennzahl Delta multipliziert wird. Auf diese Art lässt sich errechnen, um wie viel Prozent sich der Optionsscheinkurs verändert, wenn sich der Aktienkurs um genau ein Prozent weiter bewegt.

Beim Kauf von Optionsscheinen gilt der (höhere) Briefkurs, beim Verkauf der (niedrigere) Geldkurs. Beachten Sie bitte, dass bei häufigerem Umschichten des Depots die Summe der Kauf- und Verkaufsspesen unter Umständen höher sein kann, als die Summe Ihrer Gewinne.